Blutiges Familiengeschäft: EL CLAN

10. März 2016


Nach aussen lebt die Familie Puccio ein gutbürgerliches Leben. Doch in ihrem Keller hält sie Entführungsopfer fest. EL CLAN erzählt die Geschichte des kriminellen Puccio-Clans vor dem Hintergrund der argentinischen Militärdiktatur. Von Alexandra Zawia

 
«All I’ve got’s this sunny afternoon», singen die Kinks im Radio, als der junge Rugby-Star Alejandro «Alex» (Peter Lanzini) in seinem Auto Sex hat mit seiner Freundin. Ihr Stöhnen mischt sich mit den Schreien eines Opfers, das im selben Moment im Hintergrund gekidnappt wird. Die Verliebten lassen sich nicht stören. Alejandro ist sich so etwas gewöhnt: Er ist der Sohn von Arquímedes Puccio (Guillermo Francella), einem argentinischen Äquivalent zum italienischen Paten. Arquímedes arbeitet für den Geheimdienst der Militärregierung und kidnappt wohlhabende Bürger, um Lösegeld zu erpressen. Eines Tages läuft eine Entführung nicht nach Plan, und Alejandro beginnt, die Geschäfte seines Vaters infrage zu stellen. Eine innerfamiliäre Zerreissprobe steht an, der gesamte Clan gerät ins Wanken – mit tödlichen Folgen.

Regisseur Pablo Trapero («Carancho») verwebt einen Vater-Sohn-Konflikt zu einem atmosphärischen film noir und einem bizarren Sittenbild vor dem Hintergrund der argentinischen Militärdiktatur. Geschickt wechselt er zwischen Zeitebenen, um wichtige Ereignisse näher zu beleuchten.

Der Film lehnt sich an wahre Ereignisse an: Im Jahr 1985 wurde der Puccio-Clan in Buenos Aires unter Medienrummel verhaftet, die soziale Erschütterung war immens. Traperos Film spiegelt auf intimer ebenso wie auf allegorischer Ebene wider, wie korrupt nicht nur einzelne Menschen sein können, sondern – als Folge davon – auch ein ganzes politisches System.

EL CLAN im Kinoprogramm


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