BACALAUREAT

02. März 2017


«Bacalaureat von Cristian Mungiu ist ein unaufgeregt erzählter, aber spannender Film voller vielschichtiger Figuren.» Von Denise Bucher

 
Romeo Aldea (Adrian Titieni) ist ein Arzt aus einer Stadt in den Bergen Transsylvaniens. Er hat seine Tochter Eliza (Maria-Victoria Dragus) mitten im korrupten Rumänien zu einem ehrlichen Menschen erzogen. Wenn sie, eine sehr gute Schülerin, jetzt die Abschlussprüfung besteht, hat sie ein Stipendium in Cambridge in Aussicht. Doch kurz vor den Prüfungen stösst ihr etwas Schlimmes zu. Eliza, Romeos Hoffnungsträgerin, könnte scheitern. Das bereitet ihrem Vater mehr Sorgen als ihr selbst, weil er unbedingt will, dass Eliza ihre Heimat verlässt. Denn hier hat man, wie er selber oft genug erfahren musste, als ehrlicher Mensch nur unter grössten Anstrengungen Aussicht auf eine Karriere und damit auf ein gutes Leben. Romeo glaubt darum, tun zu müssen, was er von jeher abgelehnt hat: sich auf Korruption einlassen. «Ich kümmere mich darum» ist ein Satz, den er immer wieder sagt, weil er ausser auf Eliza auch auf seine herzkranke Mutter, seine eifersüchtige Geliebte und seine schwermütige Frau aufpassen muss. Doch jetzt bekommt diese Aussage eine neue, ihm unangenehme Bedeutung.

 
«Bacalaureat» von Cristian Mungiu ist ein unaufgeregt erzählter, aber spannender Film voller vielschichtiger Figuren. Sie stehen alle in komplexer Beziehung zueinander, wobei die Fäden alle bei Romeo zusammenlaufen. Der Film ist unaufdringlich politisch, er porträtiert einen kaputten Staat am Rande Europas. Obwohl in düsteren Bildern gehalten, herrscht nicht der Pessimismus vor, im Gegenteil. «Bacalaureat» ist voller Hoffnung und von feinem Humor. 


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