Ein Film zum Aufwachen: MOONLIGHT

09. März 2017


Aus diesem Film kommt man anders heraus, als man hineingegangen ist. Von Denise Bucher

 
Das autobiografisch gefärbte Drama von Barry Jenkins bringt einem eine Welt näher, die einem, besonders als weisse Europäerin, fremder nicht sein könnte: Chiron ist schwarz, schwul, arm und wächst in einem Vorort von Miami auf. Man lernt ihn als Buben kennen, der «Little» genannt, von seinen Kameraden gehänselt und von seiner cracksüchtigen Mutter (Naomie Harris) vernachlässigt wird. Ein Drogendealer aus der Nachbarschaft (Mahershala Ali) liest den Knaben eines Tages auf der Strasse auf und nimmt sich seiner an. Er wird zu einer Vaterfigur und gibt dem Knaben den Halt, den er so dringend braucht. Im zweiten Teil des als Triptychon aufgebauten und von einem phantastischen Soundtrack begleiteten Films begegnen wir dem stillen Buben nun als Teenager Chiron, der sich verliebt; jetzt gespielt von Ashton Sanders.

 
Im dritten Teil ist er «Black» (Trevante Rhodes), ein junger Mann, der aussieht wie das Klischee von furchteinflössender schwarzer Männlichkeit aus einem Hip-Hop-Video. Aber das ist bloss Verkleidung. Jenkins zeigt seinen Protagonisten als stillen, unsicheren Mann auf der Suche nach seiner Identität, als Menschen mit komplexem Charakter. Die Kamera ist wie das Auge des Zuschauers, immer ganz nah an den Figuren dran, so dass man jede Regung auf ihren Gesichtern sieht. Man kann sich ihnen nicht entziehen. Am Ende wacht man auf wie aus einem Traum. 
 

Kinostart D-CH: 9. März 2017


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