Sie liebt harte Action: Felicity Jones

14. Dezember 2016


Das Drama «The Theory of Everything» katapultierte Felicity Jones nach Hollywood. Jetzt spielt die zierliche Oxford-Absolventin eine harte Kämpferin in «Rogue One: A Star Wars Story». Von Lory Roebuck, Rom

 
Felicity Jones trägt das Glück in ihrem Vornamen. Hoffentlich ist es ihr hold, denn es könnten ihr ungemütliche Tage bevorstehen: «Ich gehe zwar unheimlich gerne ins Kino», sagt die 33-Jährige beim Interview in Rom. «Aber es macht mich wahnsinnig, mich selbst in einem Film zu sehen.» Das wird sich derzeit aber kaum vermeiden lassen, denn Jones ist in gleich drei neuen Filmen dabei: In «Inferno» entschlüsselt sie die Geheimnisse der Kunstgeschichte. In «A Monster Calls» rührt sie als krebskranke Mutter zu Tränen, und im neuen «Star Wars»-Film «Rogue One» muss sie einem Millionenpublikum ihre Blockbuster-Tauglichkeit unter Beweis stellen.

«Natürlich macht es mir auch Angst, an einem so grossen Film mitzuarbeiten», gibt Felicity Jones zu. «Aber wenn die Story und die Figuren interessant sind, gibt es keinen Grund, sie nicht auf einer grösseren Bühne zu präsentieren.» Nun, «Star Wars» ist vielleicht die grösste Bühne überhaupt, und die Story von «Rogue One» hat es in sich: Jones spielt eine Rebellenführerin, die sich auf eine Undercover-Mission begibt, um die Pläne des Todessterns zu stehlen. Die Britin hatte sich die alten «Star Wars»Filme als Kind auf Videokassette angesehen. Aber dass sie nun Teil dieser Kinosaga wird, sei überraschend gekommen, sagt die Schauspielerin.

Kung-Fu-Training

Tatsächlich wirkt die 1 Meter 60 grosse Darstellerin mit zierlicher Statur und herzförmigem Gesicht nicht wie eine, die es mit imperialen Sturmtruppen aufnehmen kann. «Als ich den Zuschlag erhielt, wusste ich: Jetzt musst du fit werden.» Für die physisch anspruchsvolle Rolle trainierte Jones mehrere Stunden am Tag Kung-Fu. «Ich möchte in Zukunft unbedingt mehr Martial Arts machen. Ich liebe Action-Szenen!»

Szene aus ROGUE ONE

Bisher musste sich Felicity Jones eher mit Röcken und Rüschen herumschlagen. Die in Birmingham aufgewachsene Tochter eines Journalisten und einer Werbeagentin, die schon mit elf Jahren vor der Kamera stand und während des Englisch-Studiums in Oxford in Shakespeare-Stücke spielte, galt lange als Mädchen für Kostümfilme wie «Northanger Abbey» und «Brideshead Revisited». Der Sprung nach Amerika gelang ihr 2011 mit dem Independent-Film «Like Crazy», für den sie am Sundance-Festival einen Spezialpreis der Jury erhielt. Der Durchbruch in Hollywood folgte 2014 mit dem Stephen-Hawking- Biopic «The Theory of Everything», das ihr eine Oscar-Nomination als beste Hauptdarstellerin eintrug.

Felicity Jones war seither pausenlos am Drehen. Aber Fleiss und ihre Professionalität gehören dazu. Sie bereitet sich auf jede Rolle akribisch vor und versucht, tief in die Gedankenwelt ihrer Filmfiguren einzutauchen. Sie liebe die Vielfalt ihres Berufs und wolle mit jeder Rolle Neuland erkunden, sagt sie. Jones hat die Gabe, einen Filmstoff zu erden. Sie verleiht ihren Figuren emotionales Gewicht. Aus ihren blauen Augen leuchten eine Kraft und Reife, die in Kontrast stehen zu ihrem jugendlichen Aussehen.

«Inferno»-Regisseur Ron Howard lobte Jones als das weibliche Pendant zum 60-jährigen Tom Hanks. Mit dem Superstar zu drehen, sei inspirierend gewesen, so Jones. «Bei Tom sieht alles so einfach aus. Ich glaube, das hat auch mit seiner beruhigenden Stimme zu tun. An meinem ersten Drehtag plauderte er hinter mir mit seiner Maskenbildnerin. Ich schloss meine Augen und hörte einfach der Stimme von Woody aus ‹Toy Story› zu.»

Szene aus INFERNO

Mit Aliens und Affe

Jones ist in Hollywood noch nicht so weit, dass ihr die Rollen in den Schoss gelegt würden. Sowohl für «Inferno» als auch für «Rogue One» musste sie vorsprechen, bei Letzterem setzte sie sich gegen Rooney Mara («The Girl with the Dragon Tattoo») und Tatiana Maslany («Orphan Black») durch. «Ich gehe gerne zum Vorsprechen und finde das nützlich», sagt Jones. «Klar hast du Angst, alles falsch zu machen. Aber du findest auch heraus, ob die Zusammenarbeit klappen könnte. Das muss nicht nur der Regisseur wissen, sondern auch du selbst.»

Bei «Rogue One»-Regisseur Gareth Edwards habe sie sofort gewusst, dass sie einander verstehen und etwas Aufregendes würden erschaffen können, sagt sie. Edwards seinerseits sagte in einem Interview, er habe Jones ausgewählt, weil sie nicht derart «ultrastark und abgebrüht» wirke, dass sich der Zuschauer nicht mehr in sie hineinversetzen könnte.

Die Dreharbeiten hatten ihr grossen Spass gemacht, betont sie. «Wir haben in Jordanien und auf den Malediven gedreht, an all diesen aussergewöhnlichen Schauplätzen.» In ihren Augen macht sich eine kindliche Freude bemerkbar: «In einer Szene schwebte ein Helikopter über mir, aus dem ein riesiger Affe auf mich schoss. Und ich hatte noch nie zuvor mit Kreaturen mit acht Tentakeln zu tun. Das war richtig aufregend.»

Für die Realität von «Star Wars» bedeutet das, dass es von Tentakel- Aliens und dem schiessenden Affen bald eine Flut von Merchandise-Artikeln geben wird – genau wie von der Schauspielerin. Ihr Antlitz wird von Spielwarenregalen lächeln, von Werbeplakaten, Fast-Food-Schachteln und natürlich von unzähligen Kinoleinwänden. Spätestens jetzt wird sich die 33-Jährige daran gewöhnen müssen, sich selbst ständig irgendwo zu sehen. An Felicity Jones kommt niemand vorbei – nicht einmal Felicity Jones.

 

Weiterlesen: «Das Universum dehnt sich aus: ROGUE ONE»


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